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Die Angst vor dem "Ich"

Je mehr ich mich damit abgebe, mich zu erforschen, desto mehr frage ich mich wie weit ich mich von mir überhaupt entfernen konnte. Und vor allem frage ich mich, warum dem so ist.

Ich denke die Antwort ist ziemlich einfach. Wir haben alle Angst davor, nicht perfekt zu sein. Wir haben alle Furcht, den Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Mama will, dass wir eine gute Hausfrau werden, Papa will uns ins Familienunternehmen einbeziehen. Irgendwer hat immer irgendwelche Ansprüche auf einen Teil von uns. Irgendwer steht doch immer in unserem Rücken und treibt uns weiter an. 

Ich esse gerne Lasagne. Ich könnte mich in das scheiß Zeug wirklich reinsetzen! Aber ich esse es nicht. Ich halte mich selbst davon ab, etwas zu tun, was ich wirklich gerne mache. Lasagne ist nicht gut für die Figur und jede Frau kennt das. Der Druck von Außen ist so ungeheuer groß. Wir müssen schlank sein, perfekt aussehen, intelligent sein und dennoch noch lustig, die perfekte Ehefrau und Mutter. Die Liste ist einfach schier endlos. Die Gesellschaft erwartet kleine zierliche Frauen direkt vom Laufsteg. Aber zu welchem Preis? Das wir unserem Leben dabei zusehen, anstatt es wirklich zu ergreifen und die kleinen Momente zu schätzen wissen? Dieser verführerische Duft, der Geschmack, dieses kleine Seufzen, das sich unseren Hals hinaufschlängelt und unsere Lippen verlässt, die zu einem verträumten Lächeln verzogen sind?

Was ich damit ausdrücken will, ist einfach, dass die Anforderungen und Erwartungen von Außen ungemein hoch sind und wir ihnen oft nicht gerecht werden können. Nicht jeder hat die perfekte Figur oder reine Haut. Nicht jeder hat den grünen Daumen oder ein Taktgefühl, um der nächste Weltpianist zu werden. Manch einer ist überhaupt nicht sportlich. Wir haben verschiedenes Genmaterial, mit dem wir in diese Welt geschmissen werden und es ist an uns, das Beste aus uns herauszuholen...aber wir trauen uns nicht, weil wir damit einen Weg einschlagen, der fernab von all dem ist, was wir kennen. Wir wenden uns ab, enttäuschen Träume und lassen die Hoffnungen von unseren Lieben zerplatzen, ohne wirklich zu wissen, ob wir erfolgreich sind. 

Wir stecken irgendwo zwischen dem fest, der wir sind und dem, der wir sein wollen. Immer zwischen zwei Stühlen. Immer festgebunden an etwas, das wir eigentlich nicht wollen. Es benötigt so viel Mut alles zu kappen und zu sagen, dass man die Person sein möchte, die man ist. Man legt sämtliche Masken und Schutzmauern ab und stellt sich dem eigenen Ich.

Ich bin absolut unmusikalisch, obwohl ich ohne Musik nicht kann. Ich kann nicht singen. Ich bin unordentlich, launisch und ich habe absolut keine Lust darauf Ärztin zu werden, zumal ich bei Blut ohnmächtig werde. 

Aber ich schreibe gern, ich bin lustig, ich bin klug und ich bin die Sorte Mensch, die die Schrotflinte lädt, wenn jemand meinen Freunden auch nur ein Haar krümmt. Ich bin eine Löwin, die brüllt und dennoch auch nur faul in der Gegend liegen kann und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lässt.

Ich bin ungeduldig, ich bin perfektionistisch und oft unfreundlich, weil ich sehr direkt bin. Ich bin ehrlich, ich bin aufrichtig, zuverlässig und halte mich an mein Wort. 

Tja, nicht unbedingt die perfekte Mischung, um es da draußen zu etwas zu bringen. Denke mal bei DSDS würde ich nicht weit kommen und als Schauspielerin würde ich versagen. Achja, zeichnen kann ich auch nur mittelmäßig. 

Ist das wirklich alles so schlecht? Warum traue ich mich dann nicht in den Spiegel zu sehen? Warum sehe ich nur "Versagerin" auf meiner Stirn prangern, weil ich deren Erwartungen nicht gerecht werde? Vielleicht bin ich ja gut so, genau wie ich bin? Wer soll denn für meine Freunde nachts um halb zwei erreichbar sein, weil man mal wieder den falschen Kerl erreicht hat? Ich mag meine Brille, die sieht voll cool aus. Muss ich mir jetzt eine andere besorgen, weil manche nicht auf die Marke stehen? Wer sagt, was falsch und richtig ist? Wer bestimmt, was gut und böse ist? Jesus? Gott? Buddha? Allah? Das Gesetz? Meine Moral? Die Medien?

Wir versuchen nicht aufzufallen. Wir nehmen das geschrieben Wort von irgendwelchen Journalisten als Gesetz. Die Sorte Shirt ist richtig, wir müssen darüber lachen und hierüber streiten. Und alles ist dennoch nur Ablenkungsmanöver uns mal selbst wirklich im Spiegel zu betrachten. Nicht nur äußerlich, sondern seelisch. Menschen, die ihrem eigenen Weg folgen und nicht mit der Masse schwimmen, werden ausgelacht und ausgesondert. Sollten wir ihnen nicht Respekt dafür zollen, dass sie sich trauen, ihr eigenes Ich zu bestimmen?

Ich glaube, ich werde mir morgen einfach eine Lasagne machen. Einfach so, weil ich mir das wert bin.

7.2.13 22:50

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