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Namenlos

Ich hatte gerade eine Erkenntnis als ich mit einer Freundin über "Namen" geredet habe. Eigentlich habe ich mich nie wirklich wohl in meiner Haut gefühlt. Ich habe nie meinen Namen angenommen. Ich wollte einen Spitznamen und wenn ich einen hatte, dann wollte ich einen anderen, weil auch das sich nie so angefühlt hat, als hätte ich mich gefunden.

Mein ganzes Leben lang, war ich auf der Suche nach mir und jetzt, da ich einmal ordentlich meine Wohnung aufgeräumt habe, ist die bekannte Birne angegangen und ich hatte meine Erleuchtung.

Ich war nicht immer so. Ich hatte mal eine Zeit, in der ich meinen Namen getragen und auch darauf reagiert hatte. Ich habe mich damit begnügt, zu sein, wer ich bin. Und das war zu einer Zeit, als ich mit mir zufrieden war.

Nun aber ist die Frage doch die: Warum war ich mit 8 Jahren nicht ich selbst? Es war einfach. Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen, die mich nie wirklich verstanden haben. Kleidung wurde für mich ausgesucht und das war dann eher spießig. Aber eben nie, das was ich wollte! Ich wollte anders sein, ich wollte aus meinem Leben ausbrechen. Ich wollte nicht die sein, die ich war. 

Also hat meine Reise schon sehr früh angefangen und findet nun zwar kein Ende, aber ich habe wenigstens den Weg dahin gefunden. Irgendwie. 

Ich habe mich in den letzten Jahren immer mehr verloren. Ich habe mich im Internet teilweise für jemand anderes ausgegeben. Nicht, weil ich jemanden verletzen wollte, aber weil ich unzufrieden mit mir war. Und ich wollte perfekt sein! Ich habe durchaus meine Hintergrundinformationen genommen, aber einen anderen Namen verwendet, usw. Ich habe immer die Meinung anderer vertreten, aber nie meine eigene. Ich habe mich angepasst und mich dabei verstellt. Aber machen wir das nicht alle?

Wir kommen in eine neue Welt, eine Community und einige von uns, stellen kein Foto rein, weil sie zu dick sind oder ihnen passt die Nase nicht. Andere fühlen sich nicht würdig, weil auf Facebook oder solchen Communitys doch immer so viele Bilder von den Bahamas und von so vielen Abenteuern hochgeladen werden. Und wir? Ja, wir kommen nach einem total langweiligen Tag im Büro heim. Der Urlaub war auch nicht besonders, nicht mit dem tollen Ehemann, sondern mit einer Freundin. Minderwertigkeitskomplexe.

Es werden doch rundum Erwartungen an uns gestellt. Immerzu. Wir müssen die Welt bereisen, eine bestimmte Marke fahren, einen bestimmten Beruf haben, usw. Warum kann man nicht mehr KFZ-Mechaniker werden, weil man es will? Warum hat der Beruf so einen schlechten Ruf, nur weil wir uns dabei schmutzig machen? Und warum ist es für eine Frau so unanständig, das zu machen? Ich liebe harte, körperliche Arbeit. Ich liebe es nach Hause zu kommen und in meinen Knochen zu spüren, dass ich etwas bewirkt habe!

Einige von uns, machen es einfach. Sie gehen da raus, ganz egal, wie die Gesellschaft es ansieht und ja, sie haben meinen Respekt! Ich kenne eine Dame, die sich das erkämpft hat und nun glücklich in genau dem Beruf ist. Sie liegt unter den Autos, schraubt und verschmiert sich mit Öl und sie ist stolz darauf. 

Und ich? Ich sollte Ärztin werden, Anwältin. Ich wusste nie, was ich werden wollte oder wer ich bin. Aber drauf geschissen. Ich will Autorin werden! Ich will Geschichten verfassen, die meine Leser bannen. Kinder, Jugendliche oder Erwachsene. Völlig gleich. Es ist etwas, das mich ausmacht und ich mache es einfach! Niemand hindert mich daran, nach der Arbeit noch ein paar Seiten zu schreiben, oder? Nur ich selbst, weil ich nicht an mich glaube. Wird eh nie gedruckt werden. Aber wir müssen uns am Ende selbst darüber bewusst werden, was wir wollen und wer wir sein werden und dann werden wir auch endlich unseren Namen akzeptieren und ihn tragen. Wir werden nicht mehr namenlos sein oder ein niemand. Zumindest nicht für uns.

21.2.13 15:30, kommentieren

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Die Angst vor dem "Ich"

Je mehr ich mich damit abgebe, mich zu erforschen, desto mehr frage ich mich wie weit ich mich von mir überhaupt entfernen konnte. Und vor allem frage ich mich, warum dem so ist.

Ich denke die Antwort ist ziemlich einfach. Wir haben alle Angst davor, nicht perfekt zu sein. Wir haben alle Furcht, den Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Mama will, dass wir eine gute Hausfrau werden, Papa will uns ins Familienunternehmen einbeziehen. Irgendwer hat immer irgendwelche Ansprüche auf einen Teil von uns. Irgendwer steht doch immer in unserem Rücken und treibt uns weiter an. 

Ich esse gerne Lasagne. Ich könnte mich in das scheiß Zeug wirklich reinsetzen! Aber ich esse es nicht. Ich halte mich selbst davon ab, etwas zu tun, was ich wirklich gerne mache. Lasagne ist nicht gut für die Figur und jede Frau kennt das. Der Druck von Außen ist so ungeheuer groß. Wir müssen schlank sein, perfekt aussehen, intelligent sein und dennoch noch lustig, die perfekte Ehefrau und Mutter. Die Liste ist einfach schier endlos. Die Gesellschaft erwartet kleine zierliche Frauen direkt vom Laufsteg. Aber zu welchem Preis? Das wir unserem Leben dabei zusehen, anstatt es wirklich zu ergreifen und die kleinen Momente zu schätzen wissen? Dieser verführerische Duft, der Geschmack, dieses kleine Seufzen, das sich unseren Hals hinaufschlängelt und unsere Lippen verlässt, die zu einem verträumten Lächeln verzogen sind?

Was ich damit ausdrücken will, ist einfach, dass die Anforderungen und Erwartungen von Außen ungemein hoch sind und wir ihnen oft nicht gerecht werden können. Nicht jeder hat die perfekte Figur oder reine Haut. Nicht jeder hat den grünen Daumen oder ein Taktgefühl, um der nächste Weltpianist zu werden. Manch einer ist überhaupt nicht sportlich. Wir haben verschiedenes Genmaterial, mit dem wir in diese Welt geschmissen werden und es ist an uns, das Beste aus uns herauszuholen...aber wir trauen uns nicht, weil wir damit einen Weg einschlagen, der fernab von all dem ist, was wir kennen. Wir wenden uns ab, enttäuschen Träume und lassen die Hoffnungen von unseren Lieben zerplatzen, ohne wirklich zu wissen, ob wir erfolgreich sind. 

Wir stecken irgendwo zwischen dem fest, der wir sind und dem, der wir sein wollen. Immer zwischen zwei Stühlen. Immer festgebunden an etwas, das wir eigentlich nicht wollen. Es benötigt so viel Mut alles zu kappen und zu sagen, dass man die Person sein möchte, die man ist. Man legt sämtliche Masken und Schutzmauern ab und stellt sich dem eigenen Ich.

Ich bin absolut unmusikalisch, obwohl ich ohne Musik nicht kann. Ich kann nicht singen. Ich bin unordentlich, launisch und ich habe absolut keine Lust darauf Ärztin zu werden, zumal ich bei Blut ohnmächtig werde. 

Aber ich schreibe gern, ich bin lustig, ich bin klug und ich bin die Sorte Mensch, die die Schrotflinte lädt, wenn jemand meinen Freunden auch nur ein Haar krümmt. Ich bin eine Löwin, die brüllt und dennoch auch nur faul in der Gegend liegen kann und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lässt.

Ich bin ungeduldig, ich bin perfektionistisch und oft unfreundlich, weil ich sehr direkt bin. Ich bin ehrlich, ich bin aufrichtig, zuverlässig und halte mich an mein Wort. 

Tja, nicht unbedingt die perfekte Mischung, um es da draußen zu etwas zu bringen. Denke mal bei DSDS würde ich nicht weit kommen und als Schauspielerin würde ich versagen. Achja, zeichnen kann ich auch nur mittelmäßig. 

Ist das wirklich alles so schlecht? Warum traue ich mich dann nicht in den Spiegel zu sehen? Warum sehe ich nur "Versagerin" auf meiner Stirn prangern, weil ich deren Erwartungen nicht gerecht werde? Vielleicht bin ich ja gut so, genau wie ich bin? Wer soll denn für meine Freunde nachts um halb zwei erreichbar sein, weil man mal wieder den falschen Kerl erreicht hat? Ich mag meine Brille, die sieht voll cool aus. Muss ich mir jetzt eine andere besorgen, weil manche nicht auf die Marke stehen? Wer sagt, was falsch und richtig ist? Wer bestimmt, was gut und böse ist? Jesus? Gott? Buddha? Allah? Das Gesetz? Meine Moral? Die Medien?

Wir versuchen nicht aufzufallen. Wir nehmen das geschrieben Wort von irgendwelchen Journalisten als Gesetz. Die Sorte Shirt ist richtig, wir müssen darüber lachen und hierüber streiten. Und alles ist dennoch nur Ablenkungsmanöver uns mal selbst wirklich im Spiegel zu betrachten. Nicht nur äußerlich, sondern seelisch. Menschen, die ihrem eigenen Weg folgen und nicht mit der Masse schwimmen, werden ausgelacht und ausgesondert. Sollten wir ihnen nicht Respekt dafür zollen, dass sie sich trauen, ihr eigenes Ich zu bestimmen?

Ich glaube, ich werde mir morgen einfach eine Lasagne machen. Einfach so, weil ich mir das wert bin.

7.2.13 22:50, kommentieren

Mein neues Leben

Da bin ich nun. Ich habe gerade meine erste Meditation hinter mir - zumindest seit langem - und ich fühle mich entspannt und ausgeruht...und vor allem: Seit langem wieder wie ich.

Es war ein gutes Gefühl, für einige Minuten, die Hektik der Welt und generell alle fremden und störenden Gedanken aus meinem Kopf zu vertreiben und mich wirklich auf mich zu konzentrieren. Wer bin ich? Wo will ich hin?

Ich denke wir stellen uns alle im Laufe unseres Leben solcherlei Gedanken. Wir stehen irgendwan verloren an einem Wendepunkt an unserem Leben. Der Job ist weg, der Freund ebenfalls. Wir haben einen großen Umzug hinter uns und am liebsten würden wir uns bei einer guten Freundin verkriechen und all das ungeschehen machen. Oder vielleicht sehen wir alles auch als eine Art Befreiung und Abenteuer?

So oder so haben all diese Szenarien etwas gemein: Zerstörung. Wir lassen unseren alten Weg hinter uns. Wir verlassen unsere Sicherheit und wagen uns in fremde Gefilde. Sei es, weil wir diesen Weg bewusst gehen, da wir uns einen Job weit weg gesucht haben oder weil wir hineingestoßen werden, indem wir merken, dass unsere Beziehung vor dem Aus steht.

Mir ist all das auf einmal passier. Meine ganzen Pfeiler wurden mir unter den Füßen weggerissen. Ich habe mein Studium abgebrochen, ich habe mich von meinem Freund getrennt und auch von einigen unliebsamen Menschen, die ich eigentlich immer als "Freunde" betrachtet habe. Aber am Ende sitze ich hier in meinem Bett. Ich hebe vorsichtig den Kopf und wage einen sehnsüchtigen Blick über meinen Tellerrand. War es das? War das alles, was mir das Leben zu bieten hatte? Ein Kerl, dem ich gleichgültig war und mit dem ich die letzten Jahre nur aus Routine und Gewöhnung zusammen war? Ohne Leidenschaft? War es das? Ein Studium, in das ich gedrängt wurde, aber dem ich nie viel abgewinnen konnte?

...Muss ich es mir denn immer so unendlich schwer machen?

Das ist letztlich die Frage, die immer wieder in meinem Kopf aufgetaucht ist. Ich meine, immer nur der einfache Weg ist natürlich nicht die Lösung. Aber muss es immer der schwere sein? Muss ich mich durch eine Beziehung quälen, weil ich sonst das Gefühl habe, dass ich "verliere". Muss ich mich durch ein Studium quälen, das mir überhaupt keinen Spaß macht und mir alles abverlangt, damit ich meinem Ehrgeiz gerecht werde?

Die Frage, die wir uns doch Alle stellen sollten, ist was wir verdient haben. 

Wir alle haben Ballast. Fehler, Fehlentscheidungen. Wir gehen mit Reue durchs Leben etwas getan oder nicht getan zu haben. Wir prügeln uns ständig mit dem "Was wäre wenn..." selbst in irgendwelche Bahnen, die wir als unseren persönlichen Jakobsweg sehen. 

Ich wollte eine funktionierende Beziehung. Ich wollte nicht aufgeben. Ich wollte nicht oberflächlich sein. Ich wollte Stabilität. Und dabei habe ich meine Energie für einen Kerl aufgebraucht, der mich nicht gesehen hat, weil er lieber am PC gezockt hat. Aber bin ich mir selbst so wenig wert, dass ich es verzeihe, dass dieses Spiel wichtiger ist als ich? Der Moment, wenn man sich selbst krank aus dem Bett quält, weil der Tee, um den man vor über einer Stunde gebeten hat, immer noch nicht da ist. 

Ich wollte es mir selbst beweisen. Ich wollte einen Titel, ich wollte studieren. Ich wollte es allen zeigen. Ich wollte eine Zukunft. Nur leider wusste ich nicht, in welcher Richtung es sein sollte. Ich ließ mich belagern und von allen seiten manipulieren und bin letztlich in einem Studienfach gelandet, für das ich nur minder Interesse entwickelt hatte und nach drei Wochen kam es mir schon aus den Ohren raus. Es war Plackerei und dennoch habe ich die Zähne zusammengebissen, gelernt, gearbeitet...und bin gescheitert.

Man kann also überdeutlich sagen, dass ich gerade einfach nur am Boden bin. Und warum fühle ich mich dann so viel freier? Ich wache am Wochenende auf und blicke nach links. Niemand da, der schnarcht. Da ist einfach niemand, auf den ich achten müsste. Ich stehe auf, mache mir meinen Kaffee, genehmige mir ein Frühstück. Ein gesundes mit Äpfeln und Vollkornbrot und starre aus dem Fenster, blicke den anderen Menschen hinterher und fühle mich wohl. Ich habe den Tag vor mir, die Welt zu Füßen. Ich kann machen, was ich will....was ICH will.

Die letzten Wochen habe ich mich immer mehr zurückgezogen und mich auf mich und meine Wünsche und Bedürfnisse konzentriert. Und ich bin nicht tot. Ich bin nicht weg vom Fenster. Ich habe Energie geschöpft, um wieder zu starten und diesmal in ein Leben, das ich mir aussuche. Ein Spiel, in dem ich die Regeln schreibe und nicht mein beschissener Freund von Muttersöhnchen oder irgendwelche Leute, die wissen, was das Beste für mich ist.

Und ich bin ich. Und ich weiß, was das Beste für mich ich. Ich fühle mich wie ein Phoenix, der aus seiner Asche wieder aufersteht. Vielleicht ein Küken. Aber ich werde wachsen, ich werde lernen, wieder zu fliegen und dabei hell am Himmel strahlen. 

7.2.13 19:16, kommentieren